Abbau überlanger Arbeitszeiten in den Spitälern

Ärztinnen und Ärzte arbeiten im Spital im Schnitt 56 Stunden pro Woche und damit deutlich mehr als der Durchschnitt der österreichischen Bevölkerung.

Turnusärzte arbeiten durchschnittlich 60,8 Stunden pro Woche (mit einem Spitzenwert von 78,5 Stunden), Oberärzte 55,2 Stunden und Fachärzte 52,3 Stunden, wobei es beträchtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Disziplinen gibt.
Gesetzlich können Ärztinnen und Ärzte verpflichtet werden, maximal 72 Stunden pro Woche tätig zu sein, mit bis zu 49 Stunden in unmittelbarer Abfolge. Im Schnitt werden in Wiener Spitälern 4,32 Nachtdienste pro Arzt und Arbeitsmonat absolviert, wobei Turnusärzte auf einen Schnitt von 5,3 Nachtdiensten kommen.
Diese Dienste sind zu lange und werden von der Ärzteschaft so auch nicht gewollt: Eine aktuelle IFES-Umfrage hat ergeben, dass 72 Prozent der Wiener Spitalsärzte für eine Reduktion der



Arbeitszeit auf maximal 60 Stunden pro Woche sind – allerdings bei vollem Lohnausgleich. Weitere 12 Prozent würden auch ohne vollen Lohnausgleich lieber weniger arbeiten, lediglich 13 Prozent sprechen sich dagegen aus. Laut IFES-Studie ist der Anteil, der sich gegen eine Arbeitszeitverkürzung ausspricht, bei den Wiener Primarärzten mit 19 Prozent am höchsten.
Zudem sind neue und andere Karrieremodelle, eine Flexibilisierung der Dienstzeiten (Karenzierungen, Teilzeit, Modelle für ältere Dienstnehmer) sowie neue Berufsbilder, sowohl bei Fachärzten als auch im qualifizierten Pflege- und Betreuungsbereich, not­wendig. Hier müssen die Ressourcen besser verteilt werden.

Für die Patienten bedeutet eine Reduzierung der Arbeitszeit von Spitalsärzten, dass sie von ausgeruhten und voll motivierten Ärztinnen und Ärzten betreut werden. Untersuchungen belegen, dass in Österreich mittlerweile jeder zweite Arzt burn-out-gefährdet ist, jeder fünfte Spitalsarzt zeigt bereits erste Symptome eines beginnenden Burn-outs. Hauptsächlich schuld daran tragen die überlangen Arbeitszeiten, die sich aufgrund der dünnen Personalbesetzung in den Wiener Spitälern ergeben.