Verpflichtende Einrechnung des Großstadtfaktors

Es ist unbestritten, dass aufgrund verschiedenster Faktoren regionale Unterschiede im Bereich der Ausgaben für medizinische Leistungen in Ballungsgebieten bestehen. Gesundheitsversorgung in einer Großstadt wie Wien ist mit keiner anderen Region Österreichs vergleichbar.

Daher gehen auch immer wieder aufkeimende Vergleiche zwischen Wien und anderen Bundesländern, wie etwa Ober­österreich, völlig ins Leere. Schon vor Jahren wurde im Rahmen einer Studie die Wiener Versorgung mit der einer anderen, vergleichbaren europäischen Großstadt wie Hamburg oder Lyon verglichen. Dabei konnte ganz klar festgestellt werden, dass Wien absolut im Schnitt dieser anderen Großstädte liegt – sowohl was die Dichte der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte als auch deren Leistungsspektrum betrifft.
Auch die speziellen Krankheitsbilder einer Großstadt lassen sich mit ländlichen Regionen kaum vergleichen. Kaum ein Mühlviertler würde wohl nach Wien-Favoriten wegen der guten Luft und der schönen Natur auf Erholung fahren. Dafür werden wohl in Wiener allgemeinmedizinischen Ordinationen kaum Skiunfälle versorgt, dafür aber umso mehr Drogenpatienten behandelt.
Sowohl das Gesundheitsministerium als auch der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger sowie die Gemeinde Wien haben die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sowohl bei Kassenverträgen als auch bei der Ressourcenverteilung im Spitals- und Ambulanzbereich der Großstadtfaktor in die Planungen mit eingerechnet wird.
Die Gemeinde Wien ist aufgefordert, aus den regelmäßig von ihr zu erstellenden Gesundheitsberichten jährlich einen Maßnahmenkatalog zu formulieren, dessen Inhalte in die darauf folgenden Jahresplanungen und Budgets Eingang finden müssen. Dies ­betrifft insbesondere Bereiche wie die Gendermedizin und ­soziale Barrieren.

Für die Patienten ist eine größere Akzeptanz des Großstadtfaktors in Wien von immenser Bedeutung, da durch falsche Vergleiche regelmäßig die Gefahr von Rationierungen besteht. Das Angebot an medizinischen Leistungen muss sowohl qualitativ als auch quantitativ dem neusten Stand der Technik – und eben den medizinischen und therapeutischen Erfordernissen, die sich aus einem Ballungsraum wie Wien ergeben – angepasst sein.