Reaktion auf die demografische Entwicklung

Die Ärztekammer sieht in der demografischen Entwicklung die größte Herausforderung für die Zukunft. Angesichts der zu ­erwartenden Überalterung der Bevölkerung wird es in spätestens 15 Jahren einen eklatanten Ärztemangel geben.



Bis zum Jahr 2050 soll die Bevölkerung Österreichs mit einem ­Alter ab 60 Jahren von derzeit knapp 2 Millionen Personen auf ungefähr 3,25 Millionen Personen ansteigen. In 40 Jahren wird also deutlich mehr als ein Drittel der Bevölkerung Österreichs über 60 Jahre alt sein, in etwa 11 Prozent werden ein Alter ab
80 Jahren aufweisen. Daher wird es notwendig sein, die Bettenkapazitäten umzuschichten – weniger Akutbetten, dafür mehr Pflegebetten und Investitionen in die klinische Nachbehandlung von älteren Menschen. Denn laut Prognosen soll sich die Anzahl der pflegebedürftigen Personen bis 2010 in etwa verdoppeln. ­Unterschiedliche Studien belegen einen finanziellen Mehraufwand für diesen Bereich zwischen 100 und 400 Prozent.
Die Zahl der Erkrankungen und Zuweisungen in Krankenhäusern und im extramuralen Bereich steigt rascher als die Kapazität der behandelnden Mediziner und kann auch durch Rationalisierungen und neue komplexe Medizintechnik und Operationsmethoden kaum kompensiert werden. Dazu kommt, dass etwa die Zahl von dringlichen Fällen – Unfälle, epidemische Erkrankungen – niemals prognostiziert werden kann.
Es ist offensichtlich, dass die Bürokratie nicht unwesentlich zur Unzufriedenheit der Ärztinnen und Ärzte beiträgt. Man muss ­Lösungen finden. Besonders die Turnusärzte beklagen sich darüber, dass sie vorwiegend administrative oder subqualifizierte Tätigkeiten ausüben müssen, und die Qualität der Fachausbildung leidet, weil zu wenig Zeit dafür vorhanden ist.
Ebenso wie Turnusärzte wünschen sich auch Stationsärzte mehr Zeit für einen direkten Patientenkontakt.
Ähnliches passiert in den Ordinationen, wo ein pauschales und veraltetes Honorierungssystem die Ärztinnen und Ärzte zwingt, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Patienten durch die Praxen „durchzuschleusen“.

Für die Patienten bedeutet die demografische Entwicklung, dass die Qualität der medizinischen Betreuung nur aufrechterhalten werden kann, wenn genügend Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen vorhanden sind. Hier müssen auch Wege gefunden werden, die speziell die Jungärzte dazu bewegen, im Land zu bleiben, und nicht auszuwandern.
Gleichzeitig muss die ärztliche Ausbildung dahingehend verändert werden, dass der bürokratische Aufwand, den die Turnusärzte derzeit bewältigen müssen, auf ein Minimum reduziert wird, damit Jungärzte jene Erfahrungen sammeln können, die sie für eine spätere optimale Betreuung ihrer Patienten benötigen.